Sehr geehrte Damen und Herren,

Georg Friedrich Händel oder auch George Frederic Handel, wie er sich nach seiner Einbürgerung in England nannte, gehört zu den größten Komponisten. Sein Zeitgenosse Johann Sebastian Bach, beide verbindet das gleiche Geburtsjahr 1685, soll einmal gesagt haben, hätte es keinen Bach gegeben, wäre Händel die einzigste Person gewesen, die er gerne sein wolle. Beethoven bezeichnete Händel als „unerreichten Meister aller Meister“ und Haydn soll von den Halleluja Chören zu Tränen gerührt worden sein.

Wie bereits Beethoven, besuchte auch Mozart in seinen jungen Jahren Den Haag und schrieb Bearbeitungen über Händels Werke wie z. B Der Messias, Alexander’s Feast und Acis und Galatea. Auf diese Weise hielt er sein künstlerisches Erbe am Leben, zu einer Zeit, in der die Musik von verstorbenen Komponisten selten aufgeführt wurde. Die Matthäuspassion zum Beispiel, wurde lange Zeit vernachlässigt, bis der junge Felix Mendelssohn sie wieder aufleben ließ.

Händels Musik war in den letzten 250 Jahren nie gänzlich weg. In der Tat mussten seine zahlreiche Opern etwas länger auf eine Wiederbelebung warten. Aber seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts und sicherlich seit dem ansteigenden Interesse für historische Aufführungspraxis wurden diese regelmäßig inszeniert.

Seltsamerweise war Händel nie so bekannt wie sein Zeitgenosse Bach. Bezüglich der Oper kann ich mir das vorstellen. Die Niederlande hatten vergleichsweise mit anderen europäischen Ländern nie eine besonders starke Operntradition. Nach seinem Besuch in Den Haag im Jahre 1722 kam Voltaire zu Voltaire zu dem Schluss: "Nous avons ici un opéra détestable" (Nun gut, immerhin hatten wir eine Oper)

Händels große Oratorien, mit Ausnahme von Messias, fanden nie denselben Zuspruch wie die Matthäuspassion im letzten Jahrhundert. Das ist schade, denn sowohl die Oratorien als auch die Opern, enthalten nicht nur wunderschöne Arien, sondern auch bemerkenswerte Chöre. Im Gegensatz zu dem, was man von einem Oratorium erwartet, sind sie in ihrem Wesen oft außerordentlich dramatisch.

Ich begrüße wärmstens die Initiative für das Händel-Jahr in Den Haag und das nicht nur, weil ich ein großer Liebhaber seiner Musik bin, meine Lieblingsoper ist Amadigi di Gaula, ein Werk, welches von Leidenschaft und Erregung sprüht, voller wunderbarer Musik. Es gibt allen Grund dazu, an den 250. Todestag von Händel insbesondere in Den Haag zu gedenken.

Wie auch seine berühmten kreativen Kollegen Mozart und Beethoven, stattete Händel bei seinen Reisen mehrere Besuche unserer Stadt ab. Zuletzt in den Niederlanden war er im Jahre 1750. Damals spielte er nicht nur die Orgel in der Groote Kerk in Haarlem, sondern auch die Orgel in der Kirche, in der wir uns gegenwärtig befinden. Es existiert ein Bericht über dieses Ereignis in der 's- Gravenhaegse Courant vom 4. Dezember 1750. Laut Zeitungsartikel wohnten dem Orgelkonzert in der Nieuwe Kerk „viele ausländische Gesandte und andere prominente Personen von beiden Geschlechtern, wie auch der gesamte Hof“ bei.

Die Anwesenheit der Letzteren ist nicht verwunderlich, hatte doch Händel aller Wahrscheinlichkeit nach den Kontakt zu seiner früheren Schülerin Prinzessin Anna von Hannover, Gemahlin von Wilhelm IV, fortwährend gepflegt. Zum Zeitpunkt seines Besuches war Wilhelm seit drei Jahren Statthalter und das Ehepaar war gerade von Friesland nach Den Haag umgezogen.

Die musikalische Anna, die vor 300 Jahren geboren und vor 250 in diesem Jubiläumsjahr gestorben ist, spielte eine wichtige Rolle für das musikalische Leben in Den Haag, das in den Jahren zuvor verkümmerte, wie Voltaire feststellte. Mit Sicherheit hatte Anna und ihr Gefolge die Nieuwe Kerk aufgesucht, um ihren alten Musiklehrer zu hören. Es wäre auch möglich, dass sie ihn zu dem Paleis het Loo mitnahm, wo die neue Orgel eingebaut war.

Händels Aufenthalt in unserer Stadt und seine Verbindung zu Anna von Hannover sind nicht die einzigen Gründe das Jahr 2009 als Händel-Jahr zu gestalten. Die treibende Kraft hinter der Gründung „Händel 2009“ ist Johannes Boer, Leiter der Alten Musik Abteilung am Königlichen Konservatorium.

Die auf Initiative von Frans Brüggen gegründete Alte Musik Abteilung und deren historische Aufführungspraxis haben in den letzten 40 Jahren zweifelsohne einen weltweiten Ruhm erlangt. Waren es zuerst die bekannten Lehrer (wie zum Beispiel Sigiswald, Wieland und Barthold Kuijken und Jaap ter Linden, nur um einige zu nennen), die die Studenten anlockten, reicht heute bloß der Name des Königlichen Konservatoriums als Garantie für eine hochqualifizierte Ausbildung. Den Haag ist das Mekka der Alten Musik. Darauf können wir sehr stolz sein!

Die holländische Schule der Alten Musik ist für ihre expressive und individuelle Spielweise bekannt, nicht zuletzt durch ihre Leidenschaft für Experimente bezüglich der Umsetzung historischer Kenntnisse bei Aufführungen. Viel Repertoire wurde buchstäblich aufgespürt und von den Studenten wieder hergestellt, als wäre die Musik erst gestern komponiert worden: nicht veraltet, sondern lebendig.

Den Haag ist eine echte internationale Stadt: mehr als 200 Studierende aus 35 Nationen sind in der Alten Musik Abteilung aktiv. Nach dem Abschluss ihrer Studien werden sie mit ihren Kenntnissen und Erfahrungen in die internationale Musikwelt entlassen.

Diese Musiker werden Sie nicht nur heute, sondern auch später während dieses Händeljahres hören, z. B am 24. April, wenn 75 von Ihnen das Anthem This is the day which the Lord hath made aufführen werden. Händel schrieb dieses Stück für die Vermählung von Anna und Willem. Wir freuen uns ebenfalls auf die Produktion einer seiner früheren Opern Agrippina, die auch von Studierenden des Konservatoriums und der Neuen Oper Akademie gestaltet wird.

Das komplette Programm des Händel-Jahres in Den Haag mit Beiträgen von den besten Musikern aus dem In -und Ausland ist zu lang, um es hier anzukündigen. Es wird nicht nur Musik von Händel erklingen, sondern auch von anderen Komponisten, einschließlich zeitgenössischen. Ich werde mein Bestes geben, um so vielen Veranstaltungen wie möglich beizuwohnen. Ich hoffe aufrichtig, dass viele Menschen aus Den Haag und darüber hinaus das Händel-Jahr mit uns feiern werden. Sein musikalischer Erfindergeist kann noch immer nach zweieinhalb Jahrhunderten inspirieren und die Massen berühren.

Ich bin überzeigt davon, dass es vielen Besuchern genauso ergehen wird, wie in den folgenden Schlusszeilen von Händels Ode for Saint Cecilia's Day beschrieben wird:

Doch sieh, Cäcilia wirkte gröss’re That!
Als sie der der Orgel Stimm und Sang verlieh,
Da lauscht ein Engel und wähnt entzückt
Sich auf den Erd’ im Himmel.

Und mit einem stimmungsvollen Atemzug, den ich an die Orgel weitergebe, erkläre ich das Händeljahr 2009 offiziell für eröffnet!

(Es folgt Halleluja aus Händels Messias an der großen Orgel)